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Bild: MU Bayern
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MU-Bezirksversammlung 2018
Peter Erl mit 100 Prozent als Vorsitzender bestätigt

Mittelstand in der Praxis: "Wasserstoff - die Energie und Chance für die Zukunft"

Über 130 Teilnehmer informierten sich über Wasserstoff als Energieform der Zukunft
Über 130 Teilnehmer informierten sich über Wasserstoff als Energieform der Zukunft


Mit diesem brandaktuellen Thema greift die Mittelstands-Union Niederbayern einmal mehr sehr früh eine für ganz Bayern wichtige, zukunftsträchtige Entwicklung auf. In einer Videokonferenz am 24.02.2021, zu der die MU Niederbayern bezirksübergreifend Angehörige der Bezirke Oberbayern, Ober- und Unterfranken eingeladen hatte, und die mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, den Referenten Dipl. Kfm. (Univ.) Walter Pötzinger, Hauptgeschäftsführer der Paul Nutzfahrzeuge GmbH, und Alexander Maier, Geschäftsführer der Maier Korduletsch GmbH, hochkarätig besetzt war, wurden die Teilnehmer über die Technologie anschaulich informiert.


MU-Bezirksvorsitzender von Niederbayern, Dipl. Ing. (FH) Peter Erl konnte sich über das rege Interesse der über 130 Teilnehmer freuen und außerdem etliche bekannte Politgrößen begrüßen, z.B. MdB Alois Rainer, MdB Thomas Erndl, MdB Florian Oßner, MdB Anja Weisgerber, MdL Bernd Sibler, MdL Alexander Dorow und Landrat Robert Niedergesäß (Lkrs. Ebersberg); Barthl Kalb und Gudrun Zollner. Initiiert und den Werdegang bis zur Präsentation begleitet hat die Aktion zum Thema Wasserstoff MU-Landesvorstandsmitglied Dipl. BW. Hubert Girschitzka.


Zunächst gab Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer einen Überblick über die bislang begonnenen Energieinitiativen und der anvisierten Ziele neuartiger, innovativer Technologien. So nannte er die E-Mobilität eine der wichtigsten Initiativen seines Hauses; die Klimaziele müssten erreicht werden, z.B. den CO²-Ausstoß bis 2030 auf 95 Mio. Tonnen zu verringern. Hybridfahrzeuge bekämen Rückenwind, synthetischen Kraftstoffen solle man eine Chance geben, Kraftstoffe aus Biomasse würden gewonnen werden, 640 Mio. € würden bereitgestellt für Neubau und Umrüstung für Erzeugungsmaßnahmen. In Europa habe Deutschland das dichteste Netz, was Wasserstoff anbelange; es gebe einen Nutzfahrzeuge-Gipfel, 9 Mrd. € seien für Wasserstofferforschung bereitgestellt, davon erhalte Bayern 1,6 Mrd. €. Man setze auf regionale Entwicklung, zu der bereits 15 Firmen ihre Konzepte vorgelegt haben. Die Region München mit dem Landkreis Landshut sei in einer der 3 bundesweiten Highland-Programme und damit in der höchsten Kategorie der Förderung. Bereits 300 Mio. € seien nach München geflossen. Auf jeden Fall werde man aber technologieoffen forschen, z.B. auch Gewinnung nachhaltiger Kraftstoffe aus Stroh und Abfällen, aber auch Entwicklung synthetischer Kraftstoffe. Scheuer bekräftigte, er freue sich sehr über die Initiative der Mittelstands-Union Niederbayern und dass mit Walter Pötzinger (Fa. Paul) und Alexander Maier (Maier-Korduletsch) zwei innovative Fachkräfte aus Niederbayern das Thema Wasserstoff in Angriff nähmen.


Beide Referenten Walter Pötzinger und Alexander Maier bündeln mit ihrem „Next Mobility Accelerator Consortium“ in Zusammenarbeit mit Shell eine ganzheitliche Mobilitätslösung durch Wasserstoff im Schwerlastverkehr, mit dem Ziel eines flächendeckenden Angebots an Wasserstoff, und gleichzeitig die Nachfrage nach Wasserstoff-LKW flächendeckend zu beschleunigen – quasi das „Henne-Ei-Problem“ von Angebot und Nachfrage nachhaltig zu lösen, damit ein zügiger Markthochlauf möglich wird.


Die Unternehmensgruppe Paul umfasst laut ihrem Hauptgeschäftsführer Walter Pötzinger einmal das auf Nutzfahrzeuge spezialisierte Autohaus und zum zweiten den Fahrzeugbau mit der Herstellung alternativer Antriebe. Das mittelständische, familienbetriebene Unternehmen in Vilshofen habe etwa 450 Mitarbeiter, für deren Beschäftigung man auch in der Zukunft Verantwortung trage. Weil in den nächsten 10 Jahren ein gewaltiger Umbruch in der Mobilität stattfinde, habe man bereits vor Jahren mit der Herstellung von Elektroantrieben begonnen; z.B. in Zusammenarbeit mit Siemens Kartographen-Lkw gebaut und vor 3 Jahren für die Berliner Stadtreinigung auf Elektroantrieb umgebaute Lkw geliefert; ebenso wurde Bestandsbussen verschiedener Kommunen ein zweites Leben nach der Umrüstung auf Elektroantrieb ermöglicht. Der nächste logische Schritt sei die Reichweitenvergrößerung, nämlich den Elektroantrieb um die Brennstoffzelle zu erweitern, denn damit sei quasi das Kraftwerk gleich mitgeliefert. Heute habe man sich der Herstellung von alternativen Antrieben verschrieben. Bewusst wähle er die Bezeichnung alternative Antriebe, weil die wasserstoffbetriebenen Fahrzeuge auch über den Elektroantrieb generiert werden.


GF Alexander Maier von MaierKorduletsch, ebenfalls Vilshofen, nannte als Anlass für die letztes Jahr erfolgte Gründung von Next Mobility Accelerator Consortium – Wasserstoff im Mobilitätssektor – die klimapolitischen Ziele, die von der EU für Deutschland besonders streng vorgegeben seien, und dass man sich ebenfalls seit Jahren die Frage stelle, wie das Unternehmen in den Jahren eines immer schnelleren Umbruchs auf dem Klima- und Technologiesektor weiterhin gut bestehen könne. Letztendlich müssten bis 2050 alle Treibhausgase fast vollständig vermieden werden.


Ebenso habe Shell den Anspruch, das Emissionsziel bis 2050 zu erreichen, und forsche seit langem zum Thema Wasserstoff. So wurden die Experten von Shell – nicht nur in Hamburg, sondern auch im Technologiezentrum Amsterdam – auf Firma Paul aufmerksam, da diese zu den internationalen Marktführern im Sektor Nutzfahrzeugumbau gehöre und man ihr die Kompetenz zuspreche, einen Lkw von Elektroantrieb auch auf Wasserstoff umzurüsten. Hyundai sei auf dem Sprung von der Schweiz nach Deutschland; man wolle aber nicht, dass Hyundai unseren Markt vollständig beanspruche. Aus diesem Grund sei es wichtig, bald den Sprung zu schaffen von der Kleinserie zum Markthochlauf, nicht nur in Bayern, sondern man arbeite auch mit „Kollegen-Firmen“ in ganz Deutschland zusammen. Besonders relevant für die Erreichung der klimapolitischen Ziele ist der Schwerlastverkehr, der prädestiniert ist für die Umrüstung von Elektroantrieben auf Wasserstoffantriebe.


Anhand etlicher Power-Point-Folien erläuterte Alexander Maier den Schadstoffausstoß und Energieverbrauch der jetzigen, nahezu zu 100 % aus dieselbetriebenen bestehenden LKW in Schritten bis zum Jahr 2030 und brachte hier auch die Studie des Fraunhofer Instituts von 02/2020 „Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem“ in Ansatz. Wasserstoff ist demnach die Lösung für den Schwerlastverkehr, die einzige Technologie, um die Anforderungen zu erfüllen und eine schnelle Betankung zu gewährleisten, denn ein Aufladen der Batterie mit Ökostrom dauere viel zu lange für Nutzfahrzuge aus dem gewerblichen Sektor. Wasserstoff biete auch eine bessere Energiegewichtung im Vergleich zum Batteriebetrieb und eine wesentlich größere Reichweite – 500 bis 800 km je nach Lkw-Größe. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist, dass mit Wasserstoff betriebene Lkw keine Emissionen abgeben, lediglich Wasser aus dem Auspuff, und schließlich ist die Skalierung der H2-Infrastruktur auch noch günstiger als eine elektrifizierte Infrastruktur.


Eine strenge Energiesparrichtlinie gibt die Agora Studie von 11/2020 vor, wonach die Treibhausgase in Deutschland in 3 Schritten bis 2030 auf 0 reduziert werden sollen. Der Import von Wasserstoff aus Regionen, in denen die Sonne fast dauerhaft scheint, wie z.B. Afrika, werde eine große Rolle spielen und sei überdies sehr teuer. Jedoch erfolge auch eine Elektrolyse im Inland, hier vor allem in Norddeutschland, wo die Windkraft mehr genutzt werden könne; Süddeutschland setze mehr auf Wasserkraftwerke, führte Alexander Maier weiter aus. Consortiums-Mitglied MaierKorduletsch kümmere sich mit der bestehenden Logistik und Erfahrung im Tankstellengeschäft inklusive der Standorte um die H2-Distribution und gewährleiste mit Shell zusammen eine sichere Versorgung mit dem Ziel, über ganz Deutschland verteilt im Abstand von jeweils etwa 500 km Tankmöglichkeiten für Wasserstoff zu schaffen.


Walter Pötzinger von der Fa. Paul ist der ganzheitliche Ansatz eines Rundum-Sorglos-Pakets wichtig; mit integriertem grünen Wasserstoff eine Wertschöpfungskette zu schaffen von der Energieerzeugung über den Zulieferer zum Verbraucher. Als Spezialist im Sonderfahrzeugbau übernimmt Fa. Paul Produktion, Wartung und Service der H2-LKW und der H2-Busse für Transport- und Logistikunternehmen sowie Fertigung für den ÖPNV. Falls es jetzt noch nicht alle wissen: „Paul ist keine Hinterhofwerkstatt! Da hängt mein Herzblut drin“, so der Hauptgeschäftsführer. Alten Bussen durch Umrüstung ein zweites Leben geben, z.B. für den Einsatz in Kommunen, gehört ebenso zum Dogma von Walter Pötzinger.


Anhand einer Power-Point-Folie werden die verschiedenen Fahrzeuge, die Fa. Paul baut bzw. umrüstet, aufgelistet: Retrofit E-Bus mit Batterie ab jetzt erhältlich

- Retrofit E-Bus mit H2 Range-Extender ab 2021/22
- Retrofit E-LKW 12-16 t mit H2 Range-Extender 2021/22
- Neubau E-LKW mit Batterie ab sofort
- Retrofit E-LKW/SZM 18 t mit H2 Range-Extender 2021/22.

Zusammenfassend:

Fahrzeugbau und -umbau sowie Service: Fa Paul, Wasserstoffproduktion: Shell, Dienstleister, der die Betankung anfangs durchführt, bis Akzeptanz bzw. flächendeckendes Netz vorhanden sind: MaierKorduletsch.


Das rege Interesse am Thema Wasserstoff zeigte sich auch an den vielfachen Fragen, die von dem jeweils zuständigen Referenten erschöpfend beantwortet werden konnten. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer äußerte am Schluss der virtuellen Veranstaltung noch einmal seine große Zufriedenheit über Arbeitsplätze generierende, zukunftsorientierte Unternehmen, wie sie Fa. Paul und Fa. MaierKorduletsch darstellen, bevor Bezirksvorsitzender Peter Erl nach einem allgemeinen Dankeswort die Videokonferenz beendete.

(Elfriede Freifrau von Lang, Pressebeauftragte der Mittelstandsunion Niederbayern)

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